Die Charaktere

Sich an die Charakter heranzuwagen ist kein einfache Sache. Viele Charaktere, vor allem meist jene, die die Geschichte beeinflussen oder prägen, kommen einen spontan in den Sinn. So wie ein J. K. Rowling im Zug mit Harry oder Stephenie Meyer mit Bella und Edward im Traum oder gar Cornelia Funke, als Jacob Reckless in ihrem Schreibhaus saß und auf sie wartete.

Mir ging es auch nie anders.

Die Figuren tauchten ganz plötzlich auf. Sie waren einfach da, entweder nach einem bestimmten Lied, welches ich im Radio hörte oder letztens erst, als ich in der Straßenbahn nach Hause fuhr, stand vorne ein junges Mädchen. Sie saß so anders und ungewöhnlich aus, dass ich mir gleich eine Notiz zu ihrem Äußeren machte und so meine neuste Figur damit prägte.

Doch nicht nur Äußerlichkeiten sind wichtig. Es gibt vieles woran man denken muss. Ich gehe immer so vor, dass ich mir erstmal die wichtigsten Dinge aufschreibe über die Figur. Dafür eine kleine Checkliste:

  • Vornam / Nachname (gibt es auch einen Spitznamen?)
  • Alter (Geburstag kann wichtig sein, muss aber nicht)
  • Wohnort (kann wichtig sein, wenn die Figur aus einer bestimmten Stadt ist oder aus einem bestimmten Königreich / Land)
  • Äußerlichkeiten (Größe, Gesicht, Statur, Haare, Augen, Narben, Tattoos, Kleidung, Schmuck, etc., alles was einen zu der Figur einfällt)

Das sind, wie ich finde, die wichtigsten Eigenschaften auf einem Blick. Mehr sollte man nicht aufschreiben, denn man sollte sich selbst von seinen Figuren überraschen lassen. Alles zu planen ist gut, natürlich, aber wenn man zu viel plant, können sich die Figuren nicht selbst entwickeln, aber vor allem werden sie nicht lebendig. Während ich schreibe, nehmen mir meine Figuren die Zügel aus der Hand. Ich tippe nur noch, während sie erzählen, machen und tun. Ich denke nicht mehr darüber nach. Es geschieht einfach, dann sehen die Tattoos plötzlich so und so aus, oder sie sind nicht mehr arrogant, sondern nur vorsichtig.

Planen ist gut. Zu viel Planen macht alles kaputt!

Während des Schreibens entwicklen sich Figuren. Ich habe mal eine Figur geplant, die zerstörerisch sein sollte und die Beziehung der beiden Hauptfiguren kaputt machen sollte, aber nach zwei Kapiteln wollte die Figur einen anderen Weg einschlagen. Ich hatte keine Gewalt mehr über ihn und immer mehr gefiel er mir, bis … nun ja, ich habe die Geschichte umgeschrieben bzw. bin dabei und er ist nun mit der Hauptfigur zusammen und der eigentliche Partner der Hauptfigur ist Geschichte (lach). Tja, so kann es aber gehen! Und gerade das macht die Figuren zu etwas Besonderen und ich denke, dass auch dies die Leser spüren können.

Die Charaktere haben ihr eigenes Leben
und ihre eigene Logik,
und danach muss man handeln.
Isaac Busheris

Die Worte finden ihren Platz auf dem Papier, währenddessen finden auch die Figuren ihren Platz in ihrer / meiner Welt, dadurch lernst du sie näher kennen. Auch mir ist das geschehen. Dann wirst du Dinge über sie heraus finden, die du vorher nicht wusstest und dann schreib sie auf! Das werden Eigenschaften sein wie Familie, Beziehungen (falls sie nicht doch schon vorher erdacht worden sind), Beruf bzw. Tätigkeiten. Kämpfer oder Bürohengst? Manchmal ist man sich auch nicht sicher, was zu einer Figur passt. Das hatte ich bei einer meiner Nebenfiguren. Erst sollte er nur ein sinnloser Kämpfer sein, dann wurde er dieses und dann jenes und am Ende wurde er zu einer der wichtigsten Figuren im Team mit speziellen Talenten und das hat sich auch während des Schreibens entwickelt.

Es kommt der Moment,
in dem ein Charakter etwas tut
oder sagt, über das du nicht nachgedacht hattest.
In dem Moment ist er lebendig
und du überlässt den Rest ihm.
Graham Greene

Oft erfährt man während des Schreibens auch witzige Sachen, wie besondere Talente oder Ticks, Neigungen, die plötzlich in Situationen während des Schreibens auftauchen. Was ich meist vorher schon erdenke ist die vergangene Situation der Figuren, die sich dennoch während des Schreiben verändern kann. Sich vorher darüber Gedanken zu machen, kann helfen vieles an der Figur zu verstehen und ihr einen Weg zu geben, den er gegangen oder gehen soll.

Manch einer meint, es ist auch wichtig, sich zu überlegen, welche Funktionen die Figuren in der Geschichte haben sollen und was mit ihnen passieren soll, wie ihre genauen Verhältnisse zueinander stehen und so weiter. Ich habe versucht so zu denken, mir bis ins kleinste Detail alles auszudenken, doch wie gesagt, nach einigen Seiten oder auch manchmal Kapiteln, haben meine Figuren sowieso wieder alles über Bord geworfen und dann musste ich wieder alles neu planen. Und auch Plan B ist wieder verworfen worden nach den nächsten Kapiteln.

Es gibt also eine Welt,
deren unabhängiges Schicksal ich bestimme?
Eine Zeit, die ich mit Ketten von Zeichen binde?
Eine Existenz, die beständig ist durch meine Verfügung?
Wislawa Szymborska

Jeder macht es anders, natürlich, nur bin ich der Meinung, dass das Schreiben nicht ausschließlich mit dem Planen zusammenhängt, sondern vor allem mit Liebe und dem Fallen lassen in die Worte. Einfach schreiben, alles was geschieht, was die Figuren dir zu flüstern. Nicht so viel denken, am Besten gar nicht.

Lass deine Finger über die Tastatur gleiten, lass den Füller über das Papier schweben, aber denk nicht nach. Lass einfach alles geschehen und deine Figuren erwachen zum Leben…

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