Lebensgeschichten: Die Unhöflichkeit der Menschen

In der Straßenbahn sieht man sie, die Menschen, die keine guten Manieren haben. Dort sieht man sie am deutlichsten. Schon wenn man die Bahn betritt, sieht man die unhöflichen Menschen, die die glauben, sie dürften alles. Auf der Stelle zu erblicken, sitzen dort in einem Vierersitz, die Füße auf dem Sitz gegenüberlegend. Kein Verständnis dafür. Dies ist nicht ihr Zuhause, dies ist nicht der Ort an dem sie ihre Füße, ihre dreckigen Schuhe, auf andere Sitze legen dürfen, die ihnen nicht gehören.

Und dann die mit den dicken Köpfhörern und einer gewaltigen Ladung Musik. Manchmal möchte man sich aus der Welt klinken, manchmal ist man wütend oder traurig und nur die Musik hilft, fort zu sein, fort zu gehen. Doch ist man nicht allein, schon gar nicht in einer Straßenbahn. Menschen sitzen und stehen um dem Musikträger, schauen die Person an, dessen Kopfhörer Rockmusik hinaus schmettert. Hallo! Sieh hin, du bist nicht allein. Du bist hier zwischen all den Menschen und ein jeder hat schlimme Dinge oder gute Dinge an jenem Tag erlebt, dennoch gibt es dir kein Recht alles für dich zu beanspruchen. Sei kein Egoist, dreh die Musik leise oder nimm die Kopfhörer ab, schalte es aus und sieh hinaus, sieh zum Fenster hinaus, wie die Amseln auf dem Geländer sitzen und Lieder trällern, wie der Löwenzahn blüht und die Pusteblume zig tausend Wünsche durch die Luft tragen. Denk nicht immer nur an dich.

Und die Taschenrempler? Die, die ihre Tasche und Rucksäcke über die Schulter tragen und sich damit durch die Gänge der Bahn quetschen, jeden ihre Tasche ins Gesicht hauen, ohne Beachtung zu schenken oder gar mit einer Entschuldigung auf den Lippen. Der Mann vorne wurde bereits fünf mal von Taschenremplern getroffen. Keiner hat sich entschuldigt. Entschuldige dich, nimm deine Tasche nach vorne. Denk einmal nicht nur an dich. Um dich herum sind Menschen. Du bist nicht allein auf der Welt. Du bist nicht der Mittelpunkt.

Doch gleich wie oft man dies ihnen sagen möchte, man tut es nicht. Spricht die Rotznasen von Zwölfjährigen nicht an, sie sollen nicht so laut sein oder sich benehmen, dies muss dann ein alter Opa tun, der von den Jungen beleidigt wird. Was ist aus der Welt geworden? Wo sind die netten Herren geblieben, die Platz machen für eine Frau mit Einkäufen, für Großeltern mit Krückstöckern? Wo sind die Menschen mit einem Lächeln auf den Lippen geblieben? Wohin ist die Freundlichkeit gegangen? Wer hat sie gestohlen? Und wie bekommen wir sie wieder?

WANTED: Freundlichkeit gesucht! Unversehrt und lebendig!

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8 thoughts on “Lebensgeschichten: Die Unhöflichkeit der Menschen”

  1. Hallo! Du sprichst mir aus der Seele! Erst vor einer Woche habe ich fast die Krise bekommen. Da standen wir alle an der Tür des Zuges und warteten darauf, dass alle ausgestiegen sind ( So, wie es sich eben gehört) und dann kommen da ein Mädel und ein Junge (ganz ganz coole!), die sich einfach in die Türe reinquetschen, wo gerade ein Frau dabei ist, ihren Kinderwagen rauszuheben. Nicht nur, dass sie sich vorgedrängelt haben (das wäre ja verkraftbar…), nein, man macht auch nicht mal Platz, oder entschuldigt sich. In diesem Fall haben sich dann zum Glück einige Leute beschwert, das sowas ja wohl nicht wahr sein kann. Einfach unfassbar…

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  2. Ohja, die Taschenrempler. Am besten finde ich die, die dir die Tasche sogar in einem Metronom in das Gesicht hauen, oder beim Hinsetzen nicht einmal fragen, ob da frei ist, oder wann man raus muss und die Tasche beim Runternehmen auch wieder so ungünstig halten, dass sie einem fast das Buch aus der Hand schlagen…. ist auch immer wundervoll.

    Ich habe aver auch häufig positives Feedback, in denen die Leute dann sagen, dass sie es toll finden,dass die Jugend noch liest ❤
    Es geht also, wenn man will, auch anders.

    Liebe Grüße,
    Anna

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  3. Immer wieder wahr!
    Besonders unhöflich finde ich Leute, die im ICE auf Langstreckenfahrten gangmittig sitzen und den Rucksack auf dem Fensterplatz liegen haben. Da frage ich ja besonders gerne, ob der Fensterplatz noch frei ist und setze mich dann dahin 😀
    VG Jennifer

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