Lebensgeschichten: Mobbing – Hass zwischen den Menschen

Habt ihr Mobbing schon erlebt oder gesehen? Was sind eure Gedanken dazu, ihr Bücherwürmer, die ihr so viele Geschichten, so viele verschiedenen Leben gesehen habt zwischen den Seiten, so viele verschiedene Menschen kennen gelernt habt… wie seht ihr den Hass zwischen den Menschen?

Mobbing ist in meinem Leben gegenwärtig. Ich kenne es nicht anders. Seit ich in der Grundschule war, wurde ich gemobbt. Dort von der ersten bis zur vierten Klasse. Zum Teil von den Lehrern, die mir unterstellten, ich wäre dumm und könnte nichts, hätte ein fotografisches Gedächtnis und würde so alles wissen (als Pädagogen ist ihnen wohl nicht aufgefallen, das sie sich in ihrer eigenen Aussage widersprechen, zu dem einem kleinen Kind furchtbares unterstellen). Dann noch von meinen eigenen Klassenkameraden. Zwei Mädchen und einen Jungen. Der Junge hat bald darauf die Schule verlassen. Aber mit den beiden Mädchen kam ich noch in die Mittelschule in dieselbe Klasse. Es hörte also nicht auf, nein, dort fanden sie Verbündete.

Aufgrund von Krankheit musste ich die siebte Klasse wiederholen und kam fort von den Mädchen. Ich erlebte bis zur zehnten Klasse gute Jahre. Um meine Abschlussnoten zu verbessern wiederholte ich das Abschlussjahr auf einer anderen Schule. Und da geschah es dann wieder. Mobbing. Ich traute mich kaum mehr zur Schule zu gehen.

Dann war die Schule vorbei. Und ich hatte Frieden. Aber mit großen Nachwirkungen des jahrelangen Mobbings zu kämpfen. Nun habe ich eine Ausbildung begonnen. Alle dort sind über zwanzig, manche Mitte zwanzig. Sie ärgern und piesacken mich dort gerne, weil ich anders bin, komisch wie sie sagen. Und vielleicht meinen sie es nicht böse, aber sie ahnen nicht, was sie einem Menschen damit antun, der jahrelang solche Erfahrungen gemacht hat. Ich habe es ihnen gesagt, aber heutzutage ist Rücksicht nehmen genauso selten geworden wie ein Lächeln, Freundlichkeit oder Ehrlichkeit. Für manche ist Freundlichkeit nur noch Sie statt Du zu sagen, und Ehrlichkeit seine Meinung zu sagen. Aber Ehrlichkeit hat nichts mit der eigenen Meinung zu tun. Ehrlichkeit hat ganz andere Prinzipien.

Am schlimmsten sind die Menschen die nach vorne Freundlich tun, vor den anderen so tun, als würden sie dir helfen wollen um gut dazustehen und hinten rum, dich verraten, dir ein Messer in den Rücken rammen. Ja, dass sind die besten, die schlimmsten Menschen von allem. Sie ahnen nicht, dass man die Wahrheit kennt. Oder vielleicht wissen sie es. Ich weiß es nicht. Ich hoffe, sie wissen es. Ich wünsche es mir. Traue niemals einem Menschen, der andere verrät, weil er dich auch irgendwann verraten wird. Er wird jeden verraten.

Die Menschen denken, wenn sie jemanden sagen, dass er komisch sei, wenn sie jemand nachäffen oder lachen, wenn man mal eine Frage stellt, die die anderen blöd finden, dass es nicht schlimm ist, dass das einen nicht verletzt. Wenn sie einmal nachdenken würden, bevor sie etwas sagen, wenn sie einmal nachdenken würde, was jene Worte für den anderen für Konsequenzen haben, wie zerbrechlich die Seele ihres Gegenübers ist, dann würden sie manchmal einfach ihren Mund halten, was nettes sagen oder lächeln.

Behandle die Menschen so, wie du behandelt werden willst.

Manchmal sitze ich einfach nur da, mit Kopfhörern und lasse meine Playlist laufen, mit den Liedern, die mir in solchen Augenblicken Kraft geben. Lieder wie „Breakaway“ von Kelly Clarkson, „Try Everthing“ von Shakira und „Lass jetzt los“ aus Frozen helfen sich besser zu fühlen, meine beste Freundin, die mich alles vergessen lässt, ein guter Film mit meiner Mama, meine Katze, ein gutes Buch und nette Gespräche mit euch.

Jeder Mensch ist anders. Einer vergräbt seine Nase in Büchern, der andere spielt gerne am Computer, einer zeichnet gerne, der andere hat seine Kinder oder gar seine Haustiere, ein anderer schaut immer traurig, der nächste ist immer fröhlich, dieser ist ein Christ, der andere ein Jude oder Muslime. Sie hat rote Haare, er blonde. Sommersprossen, Tattoos, knappe Röcke, bis oben zu geknöpft. Mein Nachbar meckert immer, sie jammert, er lacht viel.

Jeder Mensch ist anders. Jeder ist besonders. Nimmt jeden Menschen so wie er ist. Egal mit welchen Eigenschaften, egal wie er oder sie aussieht, gleich wer er redet oder wie klug oder dumm er ist. Wenn du diesen Menschen nicht magst, brauchst du dich nicht mit ihm anfreunden, aber hör auf ihn zu beleidigen, zu verletzten oder hinter dem Rücken zu reden. Es ist ein grausamer Schmerz im Herzen. Es sticht, es zerreißt die Seele und irgendwann … ist nichts mehr da.

Jeder Mensch ist anders. Du bist anders. Ich bin anders. Und wie sagte Adel Tawil? Wir sind alle aus Sternenstaub. Alle gleich.

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6 thoughts on “Lebensgeschichten: Mobbing – Hass zwischen den Menschen”

  1. Ich weiß wie du dich fühlst ich wurde auch Jahre lang gemobbt und hatte kaum bis keine Freunde. Das verfolgt mich bis heute und hat mich schon extrem geprägt. Ich glaube nicht das diese Menschen wissen was sie jemandem damit antun denen ist einfach langweilig und oder wollen sich besser fühlen.

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  2. Mir gefällt der Beitrag. Ich habe selbst viel erlebt, viel Schlimmes und Tragisches und auch Mobbing ist mir ein Begriff. Es stimmt, was du sagst, die Menschen, die mobben haben keine Ahnung, was sie anderen damit antun und eine Welt in der alle so akzeptiert werden, wie sie sind wäre wundervoll.
    Die Wahrheit aber ist, das habe ich gelernt, dass gerade die, die das Mobbing anfangen oft selbst ganz furchtbar leiden unter irgendetwas. Ein Mädchen, das mich zu Schulzeiten mobbte, hat versucht Selbstmord zu begehen.
    Was du erlebt hast ist furchtbar, unfair und grundlos, denn Mobbing ist niemals die Schuld des Opfers. Aber es sind nicht alle Menschen gleich, nicht jeder versteht, was seine Worte in einem sensibleren Menschen verursachen, du weißt nie, welche Geschichte die Täter haben.
    Ich will sie nicht verteidigen, aber ich sehe beruflich bedingt viele schlimme Geschichten, viele Schicksale, die man sich kaum vorstellen kann und unter diesen jungen Menschen sind
    mehr Mobbing- Täter als Opfer. Und deswegen sehe ich in der Sache 2 Seiten.
    Ich hoffe du siehst das jetzt nicht als Angriff oder Kritk, denn ich finde es mutig von dir so offen darüber zu sprechen und mir gefällt dein Beitrag sehr gut 🙂

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  3. Dein Beitrag geht mir wirklich ans Herz und ich kann mich wohl zu den Glücklichen schätzen, die Mobbing in solchen Ausmaßen nie erlebt haben. Klar wurde man mal gehänselt, aber nicht so schlimm, dass es mir bis heute nachhängt. Ich finde es unglaublich mutig, das du darüber so offen schreibst und kann dir nur zustimmen. Die meisten Menschen sehen nur sich selbst und denken viel zu selten darüber nach, wie es in anderen aussieht. Ich fand Mobbing in der Schulzeit ganz furchtbar und war wohl eine der Wenigen, die sich mit den Betroffenen ganz normal unterhalten hat. Wenn man jemanden nicht mag ist das okay, aber dann kann man demjenigen einfach aus dem Weg gehen. Schikanieren und bloßstellen sind die Waffen von schwachen Menschen und wie von mozeilenherz bereits geschrieben, meist leidenden Menschen, die darüber versuchen ihre eigene Schwäche zu verbergen. Das ist wirklich traurig und ganz furchtbar für die, die dann darunter leiden müssen.

    Gefällt 2 Personen

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